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Eine besonders schöne Aufgabe erfüllen die weißen Mittelspitze der Zuchtstätte "am Jungfernbach" von Helga Barnert-Gmelin in Bad Mergentheim-Dainbach. Seit elf Jahren gehen zwei mal wöchentlich zwei der Spitze mit Frau Barnert-Gmelin oder einer Mitarbeiterin der Tierpension Eindachhof in das Eduard-Mörike-Haus in Bad Mergentheim, ein großes Seniorenheim der Evangelischen Heimstiftung. Dort gehen die Hunde mit auf die Stationen und in die Aufenthaltsräume. Sie sind es von klein auf gewöhnt, sich von den alten Menschen bereitwillig streicheln und knuddeln zu lassen.
weiße Mittelspitze Zuchtstätte "am Jungfernbach"
Gerne springen die Hunde auf einen freien Stuhl, oder bei manchen Heimbewohnern, die das gerne möchten, auch auf den Schoß und lecken den freundlichen Senioren begeistert die Hände. Dieser Besuchsdienst ist von der  sehr aktiven Würzburger Gruppe des Vereins "Tiere helfen Menschen" initiiert. Dieser Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, in Kinder- und Seniorenheimen, Gefängnissen oder Behinderteneinrichtungen den Bewohnern Kontakt zu Tieren zu ermöglichen. Dafür werden vielerlei Möglichkeiten genutzt: Manche Institutionen richten Vogelvolieren oder Aquarien im Eingangsbereich ein. In einigen Häusern, so auch im Eduard-Mörike-Haus, wird eine "Stationskatze" gehalten, oder es werden eben von Privatpersonen regelmäßige Besuchsdienste mit Hunden durchgeführt. Das Projekt in Bad Mergentheim ist in diesem Zusammenhang wohl einmalig, weil der Besuch  regelmäßig an mehreren Tagen in der Woche stattfindet. Mit von der Partie ist auch jedes Mal ein Zwergkaninchen, das ebenfalls viele der Heimbewohner in ihr Herz geschlossen haben. Auch das Kaninchen ist von klein auf gewohnt, gestreichelt und auf dem Schoß gehalten zu werden und genießt die Zuwendung sichtlich. Von Leuten, die von solchen Besuchsprojekten hören, werden häufig dieselben Fragen gestellt: Widerspricht der Tierkontakt in Heimen nicht den Auffassungen der Hygiene? Dazu Frau Barnert-Gmelin: "Erwiesenermaßen geht von gepflegten und sauber gehaltenen Tieren keine gesteigerte Infektionsgefahr im Vergleich zu normalen menschlichen Besuchern aus. Bei dem regelmäßigen täglichen Kontakt ist in den vielen Jahren des Projektes keinerlei Gesundheitsbeeinträchtigung aufgetreten und laut vieler wissenschaftlicher Studien auch nicht zu erwarten. Natürlich sind die Hunde jederzeit gültig geimpft und entwurmt und werden vor jedem Besuch gebürstet. Rein optisch machen die weißen Spitze sowieso immer einen herrlich sauberen und gepflegten Eindruck. " Weitere Frage: Wie wird der Tierbesuch von den Heimbewohnern und vom Pflegepersonal akzeptiert? Helga Barnert-Gmelin: "Bei den Heimbewohnern ist es natürlich so, dass lange nicht alle den Tierkontakt wünschen. Leute, die selbst keine Tiere hatten, sind den Umgang auch nicht gewohnt. Doch selbst diese beobachten das Verhalten der Tiere und freuen sich an deren Lebendigkeit. Auf  Befragen äußern sich viele, die die Tiere nicht selbst streicheln möchten, dass diese aber wirklich hübsch anzusehen seien. Etwa die Hälfte der Senioren freut sich jedoch über die Möglichkeit des direkten Kontaktes. Der eine mag lieber das ruhige Kaninchen, der andere die lebhafteren Hunde. Wir erleben es auch immer wieder, dass Leute, die kaum ansprechbar sind, doch wissen, wie man ein Kaninchen hält oder einen Hund streichelt. Beim Pflegepersonal gehört die überwiegende Mehrheit auch zu den Tierfreunden. Da die Tiere sauber und die Hunde sehr folgsam sind, und wir uns außerdem bemühen, unsere Besuche
reibungslos in den Tagesablauf einzufügen, gibt es keine Klagen irgendwelcher Art. Im Gegenteil: Viele Pfleger/innen sehen die netten Tiere genauso als Bereicherung und Lichtblick in ihrem schweren Beruf. Und auch diese Freude kommt ja indirekt wieder den Senioren in der Betreuung zugute."  Eine Attraktion ist es natürlich immer, wenn Welpen auf dem Eindachhof geboren werden. Das Gespräch, wann die Hündin "Babsi" oder "Irun" gedeckt wurde, wo der Spitz-Vater wohnt, wann die Welpen geboren werden sollen, wie viele es dann sind, Männlein oder Weiblein, wie sie heißen und wie alt sie denn nun sind - all das ist beliebter Gesprächsstoff und bringt Abwechslung in die Gedankenwelt der Senioren. Immer und immer wieder muss man dieselben Auskünfte bei jedem Besuch geben.  Ab dem Alter von acht Wochen dürfen die Welpen mit ins Altenheim - dann möchte jeder die süßen jungen Hunde auf den Arm nehmen. Den Hunden schadet das gar nicht, wenn man sorgsam mit ihnen umgeht. Ganz im Gegenteil, der frühe intensive Kontakt mit vielen Menschen, aber doch im Beisein ihrer Bezugspersonen und der Mutterhündin macht die Spitze menschenfreundlich und wesenssicher, was auch die Welpenkäufer immer wieder bestätigen.  Dieses Projekt "Tiere helfen Menschen" im Eduard-Mörike-Haus geht vom Aufwand her weit über das hinaus, was ehrenamtlich möglich ist. Die Verwaltung des Seniorenheimes hat eine Abmachung mit der Tierpension Eindachhof über den Umfang des Besuchsdienstes getroffen und die Tierpension erhält eine Aufwandsentschädigung. Immerhin beträgt allein der Zeitaufwand inklusive Fahrt jedes Mal fast zwei  Stunden. Diese Entschädigung kann natürlich nicht vom Pflegesatz der Heimbewohner bezahlt werden, sondern wird ausschließlich aus Spenden finanziert. Wer die Sache gut findet, kann eine Spende an das Eduard-Mörike-Haus, in 97980 Bad Mergentheim richten. Konto Nr. 1274 bei der Sparkasse Bad Mergentheim, BLZ 62351060,  Stichwort "Tiere helfen Menschen".  Falls Sie, liebe Leser, sich für einen Besuchsdienst interessieren oder sich über die Arbeit des Vereins "Tiere helfen Menschen" informieren wollen, wenden Sie sich bitte an den Vorsitzenden der Gruppe Würzburg, Herrn Graham Ford, Tel. 0931/4042120  Weitere Informationen finden Sie bei THMeV.de und Tiergestützte Therapie